9. Juli 2012

Werden wir durchs Internet schizophren? Eine Antwort.

Heute ist es einfacher in sozialen Plattformen wie Facebook, Google+, Pinterest, Twitter et.al., sich selbst zu definieren und bestimmte Aspekte der eigenen Persönlichkeit herauszustellen. (interessant ist, dass Oberstufenschüler dies eher tun als bspw. Auszubildende), aber am Grundprinzip ändert es nichts.

Die These:

Gerade sehe ich ein interessantes Video von der Next, die sich selbst als „The leading European conference for the digital industry“ bezeichnet:

In diesem Video stellt der Redner Alexander Bard vom Unternehmen Gravitonas in seinem Vortrag die These auf, dass uns das Internet zu Süchtigen macht, die multiple Persönlichkeiten im Netz pflegen. Er gratuliert allen, bei denen Schizophrenie diagnostiziert wurde. „Sie sind die Gewinner!“ Nicht überraschend ist dabei die Aussage, dass geographische und Zeitgrenzen keine Rolle mehr spielen.

Der Augur warnt mal wieder vor den Gefahren des Internets. Damit erreicht man immer noch die höchste Aufmerksamkeit in der westlichen Gesellschaft.

Meine Antwort:

Vor dem Hintergrund meines Soziologie-Studiums an der Universität der Bundeswehr München sehe ich das weniger kritisch: Denn wir alle spielen schon immer nur Theater! Das war das Schlagwort des Soziologen Erving Goffman bereits Ende der 50er Jahre.

Wir nehmen in unseren sozialen Beziehungen zu anderen unterschiedliche Rollen ein und verhalten uns danach. Menschen sind Söhne, Brüder, Ehemänner, Väter, Kollegen, Vorgesetzte, Untergebene, Sportkameraden, enge Freunde, Kunden, Käufer, Berater etc. Dabei entsteht unsere Rolle durch Interaktion. Es ist nichts Neues, dass wir versuchen, uns selbst in den unterschiedlichen Situationen zu definieren. Im Original heißt es:

„Impression management (IM) is the goal-directed conscious or unconscious attempt to influence the perceptions of other people about a person, object or event by regulating and controlling information in social interaction.“

Natürlich ist es heute einfacher in sozialen Plattformen wie Facebook, Google+, Pinterest, Twitter et.al., sich selbst zu definieren und bestimmte Aspekte der eigenen Persönlichkeit herauszustellen (interessant ist, dass Oberstufenschüler dies eher tun als bspw. Auszubildende), aber am Grundprinzip ändert es nichts.

Daher: Ball flach halten und entspannt durchatmen. Das wird sich alles regulieren. Und nicht vergessen: Die Nutzung des Mediums Internet verändert die sozialen Beziehungen auch zum Positiven. Kinder können via Skype Kontakt zu ihren Eltern halten, Emails vereinfachen Arbeitsprozesse (wenn sie richtig genutzt werden) und wir werden alle schneller informiert über Themen in unseren Netzwerken.

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