Fünf Minuten statt fünf Sekunden: Warum Akeyi im Recruiting auf Spiele setzt

Wie Gamification Recruiting und Lernen verändert: Stephan Egbringhoff von Akeyi über Corporate Games, Azubi-Marketing und Wissensvermittlung.
Nicolas Scheidtweiler - Employer Branding now

NICOLAS SCHEIDTWEILER
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Aufmerksamkeit ist zu einer knappen Ressource geworden. Texte, Videos und zunehmend KI-generierter Content konkurrieren permanent darum, überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

Gerade im Recruiting und in der Personalentwicklung stellt sich deshalb die Frage, ob es genügt, Inhalte immer weiter zu optimieren – oder ob sich auch das Medium verändern muss.

Auf der Zukunft Personal bin ich dazu mit Stephan Egbringhoff, Mitgründer und CEO hinter Akeyi, ins Gespräch gekommen. Das Unternehmen setzt nicht einfach auf einzelne Gamification-Elemente wie Punkte, Badges oder Rankings. AKEYI entwickelt vollständige Spiele, mit denen Unternehmen Berufe erklären, Bewerber ansprechen oder Wissen vermitteln können.

Stephan Egbringhoff, warum setzt ihr ausgerechnet auf Spiele?

Im Kern geht es um Aufmerksamkeit. Wir werden inzwischen alle permanent mit Content zugeschüttet. Mit KI kann praktisch jeder Videos produzieren und große Mengen an Text erstellen. Dadurch wird es immer schwieriger, Menschen tatsächlich mitzunehmen.

Mit richtigen Spielen – und damit meine ich nicht nur ein bisschen Gamification, sondern vollwertige Spielsequenzen – entsteht ein anderes Format. Während an vielen Stellen um wenige Sekunden Aufmerksamkeit gekämpft wird, liegen wir bei unseren Spielen durchschnittlich bei mehr als fünf Minuten.

Damit entsteht überhaupt erst der zeitliche Raum, um Inhalte zu vermitteln.

Wo werden solche Spiele heute eingesetzt?

Ein Schwerpunkt ist für uns das Azubi-Marketing. Unternehmen können jungen Menschen damit zeigen, was sie in einem bestimmten Beruf tatsächlich erwartet und warum es interessant sein könnte, dort eine Ausbildung zu beginnen.

Das Prinzip funktioniert aber deutlich breiter. Wir entwickeln beispielsweise auch Spiele im klassischen Marketing. Bei einem Projekt geht es darum, ein Finanzprodukt für eine sehr junge Zielgruppe verständlich und niedrigschwellig zugänglich zu machen.

Das dritte große Feld ist die Wissensvermittlung. Spiele lassen sich im Onboarding und Preboarding einsetzen, aber genauso für Schulungsthemen wie Datenschutz, Compliance oder Brandschutz. Gerade bei Themen, bei denen klassische Frontalschulungen schnell an ihre Grenzen kommen, kann das ein interessanter alternativer Zugang sein.

Den Artikel gibt es zum Anschauen und Anhören bei Youtube.

Was verändert sich dadurch für Bewerber und Auszubildende?

Schon bei der Berufsorientierung können Menschen Berufe spielerisch entdecken, mit denen sie sich sonst vielleicht gar nicht beschäftigt hätten.

Die Erwartung an ein Spiel ist eine völlig andere als beispielsweise an eine Stellenanzeige oder Informationsbroschüre. Spielen ist normalerweise etwas, das wir freiwillig in unserer Freizeit machen. Diese erlernte Erwartungshaltung erleichtert zunächst einmal den Zugang.

So kann jemand beispielsweise Einblicke in die Lebensmittelproduktion, eine Sparkasse oder andere Arbeitswelten bekommen, ohne vorher bewusst nach genau diesem Beruf gesucht zu haben.

Kann ein Recruiting-Spiel die Passung zwischen Bewerber und Unternehmen verbessern?

Das ist für mich sogar einer der wichtigsten Punkte. Spiele können anspruchsvoller aufgebaut werden und dadurch eine Form der Vorselektion ermöglichen.

Es geht nicht darum, Menschen auszusortieren. Vielmehr können Bewerber vorab besser verstehen, was sie auf einer Stelle oder in einer Ausbildung tatsächlich erwartet.

Wir sehen bei Unternehmen immer wieder das Problem, dass Menschen eine Ausbildung beginnen und nach wenigen Monaten feststellen: Ich habe mir diesen Beruf vollkommen anders vorgestellt.

Wenn ein Spiel einen realistischeren Einblick in Aufgaben und Arbeitsumfeld gibt, kann es helfen, solche falschen Erwartungen bereits vor der Bewerbung zu reduzieren.

Damit wird Gamification mehr als Unterhaltung?

Das Interessante an diesem Ansatz liegt gerade nicht darin, trockene Inhalte lediglich mit ein paar spielerischen Elementen aufzuhübschen. Im Kern verändert sich das Medium, über das Organisationen Informationen vermitteln.

Das eröffnet weitere Einsatzfelder. Neben Recruiting, Onboarding und klassischer Wissensvermittlung lässt sich beispielsweise darüber nachdenken, wie sich auch Unternehmenswerte, Kultur oder strategische Zielbilder erlebbarer vermitteln lassen.

Denn gerade abstrakte Inhalte haben in Organisationen häufig kein Erkenntnisproblem. Die Informationen sind vorhanden. Das Problem besteht darin, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Menschen dazu zu bringen, sich tatsächlich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Spiele können dafür ein bemerkenswert wirkungsvolles Medium sein.

Stephan Egbringhoff, vielen Dank für Ihre Antworten!

Über Stephan Egbringhoff

Stephan Egbringhoff ist Mitgründer und CEO der Lean Ocean Software GmbH und einer der Gründer hinter AKEYI. Das Unternehmen aus Münster entwickelt Corporate Games für Recruiting, Employer Branding, Marketing und Wissensvermittlung. Die Lean Ocean Software GmbH wurde 2019 gegründet; aus den Erfahrungen mit digitalen Plattformen entstand später AKEYI als Angebot für spielbasierte Kommunikation.

Mehr über Stephan Egbringhoff auf LinkedIn.

Zum Video bei Youtube:

Bildrechte: eigenes

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